Zu dritt waren sie mit der Chimäre aus den Bambuswäldern Kusa no Kunis gestartet und hatten schnell windige Höhen erreicht. Ari, die in ihren Rucksackträgern unter der Chimäre hing, verschränkte ihre Arme vor der Brust, um nicht aus den Gurten heraus zu rutschen und in die Tiefe zu stürzen. Während das
Flugding, wie es Ari insgeheim nannte, mehr und mehr an Höhe gewann, wurde es der Kunoichi leicht schwummerig. Denn unter ihren Füßen war außer einer Menge Luft nichts, das ihren Fall hätte bremsen können. So begann ihr Körper schnell Adrenalin durch ihre Adern zu pumpen, während sich ihre Atemfrequenz und ihr Herzschlag rasant beschleunigte. Um nicht mit ansehen zu müssen, wie der zuvor riesig erscheinende Bambuswald winzig unter ihr dahin huschte, schloss sie die Augen und drehte ihren Kopf leicht zur Seite. Nach kurzer Zeit des Fluges spürte Ari immer bewusster den Wind, der ihr bei der hohen Geschwindigkeit der Chimäre um die Nase wehte und ihr Haar zerzauste. Dies beruhigte sie, sodass sie schon bald vorsichtig ihre Augen wieder öffnete. Unter ihr begann sich der Wald bereits etwas zu lichten, doch kehrte die Panik von der sie erst kurz zuvor befallen wurde, nicht zurück. Stattdessen begann die junge Frau das Dasein in diesen Höhen und vor allem die Geschwindigkeit zu genießen. Langsam bewegte sie deshalb ihre Beine abwechselnd vor und zurück, so als könne sie in der Luft laufen. Darauf spreizte sie übermütig ihre Arme zu den Seiten ab, legte ihren Kopf leicht in den Nacken und schloss diesmal genussvoll die Augen, um das Gefühl der Freiheit und Ungebundenheit zu genießen. Dabei konnte sie sich ein,
"wuuuuh", jedoch nicht verkneifen. Lang währte diese Freude jedoch nicht, denn schon wenig später setzte die Chimäre zur Landung an.
Unter ihnen breitete sich eine große Graßebene aus, während direkt hinter ihnen sich noch die Ausläufer des Bambuswaldes befanden. Tiefer und tiefer ging ihr Flug, bis Ari mit ihren Füßen bereits die obersten Grashalme berührte. Gerade als sie begann ihre Füße durch das Gras streichen zu lassen, ließ Kimairi ihren Rucksack los und Ari fiel den letzten Meter unsanft zu Boden. Nachdem sie zwei mehr oder minder unelegante Rollen geschlagen hatte, um ihren Sturz abzufangen, blieb sie auf ihrem Hinterteil sitzen und war auf diese Weise kurzzeitig nicht mehr zu sehen. Das hohe Gras der Ebene überragte sie um etliche Zentimeter und bewegte sich um sie herum sanft im Wind. Um jedoch nach ihren neu gewonnenen Kameraden Ausschau halten zu können, erhob sich die Kunoichi und sah sich um. Vom Bambuswald im südosten abgesehen war weit und breit nur Gras, das Ari bis zur Brust reichte.
"So haben wir wenigstens eine gute Sicht und können nur schwerlich überrascht werden", befand Ari optimistisch. Anschließend wandte sie sich Niwatori und Anna zu, die mittlerweile von der Chimäre abgestiegen waren und nun zu ihrer Linken standen. Die Chimäre selbst hatte sich zur Erholung ins Gras fallen lassen und war dadurch nicht mehr zu sehen. Anna schlug gerade vor, ihre Fähigkeiten vorzustellen und besser kennen zu lernen, um so Taktiken gegen ihre Verfolger austüfteln zu können. Gespannt lauschte Ari, während sich die anderen beiden unterhielten. Je länger sie ihnen jedoch zu hörte, desto niedergeschlagener wurde sie selbst.
Was hatte sie denn zu bieten? Als auch Niwatori mit seiner Vorstellung geendet hatte, sahen die beiden Ari gespannt an. Diese hatte traurig ihren Kopf gesenkt und murmelte nunmehr fast unhörbar,
"ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich kann. Alles was ich tue, ist aus einer Intuition, aus reinem Instinkt heraus und nicht weil ich mich bewusst dazu entschließe." Peinlich berührt und deshalb mit entsprechender Röte überzogenen Wangen hob Ari langsam ihr Gesicht den Kameraden entgegen.
"Ich denke", sprach sie nun etwas lauter,
"ich bin ziemlich schnell." Etwas verlegen schob sie den Linken Arm hinter ihren Kopf und kratzte sich im Nacken. Auch wenn es sie dort eigentlich nicht juckte. Ein nervöses Lächeln huschte über ihr Gesicht, dem ein ebenso nervöses Kichern folgte,
"und körperlich bin ich ziemlich fitt. Jedenfalls scheine ich zu wissen, wie ich mich zu bewegen habe." Sie ließ ihren Am wieder sinken und begann stattdessen mit dem Fuß über kürzere Grashalme und durch die darunter liegende Erde zu scharren. Dabei verteilte sie den Kot der Chimäre, in den sie vor ihrem Flug versehentlich getreten war. Das braune, dickflüssige Zeug roch unangenehm, doch sollten die Drei vorerst nichts davon mitbekommen, da der Wind günstig stand und die Gerüche von ihnen fort wehte. Unterdessen überlegte Ari, wie sie das Gefühl erklären konnte, das sie seit den Wäldern aktivieren und wieder abstellen konnte. Mit leicht glasigen Augen starrte sie durch Anna und Niwatori hindurch, bis sich ihr Blick nach einiger Zeit langsam zu klären begann.
Noch immer unschlüssig wie sie es formulieren sollte, meinte sie dann,
"und ich kann irgendwie besser sehen und noch schneller werden", und aktivierte gleichzeitig ihr Ragan. Dabei verfärbten sich ihre zuvor türkisblauen Augen und wurden mit einem mal strahlend silbern. Da sie nicht wusste, dass sich nicht nur ihre Fähigkeiten verbesserten, sondern sie sich auch äußerlich veränderte, sah Ari ihre Kameraden bei der Aktivierung der Ragan unverwand an.
"Dabei ist es, als wäre ich", kurz suchte sie nach Worten und hob etwas hilflos die Schultern,
"energiegeladener, ausdauernder als zuvor." Mit einem schiefen Lächeln sah sie Anna und den Rotschopf entschuldigend an. Von ihnen dreien war sie in ihren Augen eindeutig und mit großem Abstand am nutzlosesten. Gern hätte sie sich dafür entschuldigt, doch war ihr nicht klar, was sie hätte sagen können, um wieder gut machen zu können, dass sie ihnen so wenig helfen konnte. Deshalb gab sie mit einem leisen Seufzen, dicht gefolgt von einem entspannteren Gesichtsausdruck und langsam zurück kehrendem Optimismus,
"ich denke, ich komme in einem Kampf zurecht und werde versuchen euch keine Last zu sein."